Hast du´s schon gehört?

Der Spitzer und der Bleistift…

Wer glaubt, dass nur Leben im Klassenraum ist, wenn die Schüler da sind, der ist auf dem Holzweg! Seit letztem Dienstag wissen wir: Hier geht die Post ab bzw. die Party los, wenn die Menschen längst schlafen.

Dann erwachen die Bücher, die Tafelzwillinge und die Hefte zum Leben und vor allem die Smartphones halten sich nicht länger zurück. Schließlich wurden sie von den Lehrern eingesammelt und achtlos im Teamzimmer liegen gelassen! Und so ein Smartphone ist auch sensibel, manchmal auch eitel und wählerisch und vor allem schlau.

Der Toni kennt sie alle und begleitet die Zuschauer durch die Nacht im vermeintlich verlassenen Klassenzimmer. Da wird getanzt und gesungen, getratscht und geflirtet; es gibt Werbung für Partnervermittlungen und eine Castingshow wie im Fernsehen. Bei der Oma vom Smartphone findet ein Kaffeeklatsch statt, bei dem sich die Generationen begegnen. Die graue alte Telefondame erweckt das ehrliche Mitleid der Jungen, denn sie funktioniert nur, wenn sie zu Hause ist: Sie ist ohne Kabel, Steckdose und Wählscheibe völlig untauglich und wird daher von den heutigen Handys als geradezu bettlägerig betrachtet. Was die Jungen alles so können, bleibt ihr ein Rätsel!  

 

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In ihrer lange vorbereiteten Aufführung zeigten die Schülerinnen des Kurses Darstellen und Gestalten aus dem 7. Jahrgang uns ein temporeiches und humorvolles Stück aus dem Schulalltag und vor allem aus dem eigenen Leben. Internet, Facebook, WhatsApp und Co., das Fernsehen, die Mode und die Liebe, diese Themen sind auch dem Klebestift, dem Rechtschreibheft und dem Globus nicht fremd. Der kluge Taschenrechner warnt vor allzu viel und vor allzu leichtgläubigem Gebrauch, rät allen dazu, doch genau zu prüfen, mit wem man sich da online befreundet und warnt vor kostenträchtigen Angeboten, auf die man leicht hereinfallen kann. Ein erhobener pädagogischer Zeigfinger war aber weit und breit nicht in Sicht – das einzige, was da in die Luft ragte, waren die rot-weißen Schirme beim Regenschirm-Tanz. 

Unter der Leitung von drei Lehrerinnen, nämlich Frau Paschen-Lintzen (bis Sommer 2017), Frau Bucks und Frau Szary-Wilhelm (ab Sommer 2017), hat der Kurs ein beachtenswertes Gesamtkunstwerk auf die Bühne gebracht. Spielidee, Bühnenbild und Rollenverteilung waren komplett selbst erdacht und gemacht. Und das Leitmotiv …

Was passiert nachts in der Gesamtschule Rheydt-Mülfort?

…entwickelte sich über einen Zeitraum von anderthalb Jahren und brachte in idealer Weise die Inhalte des Faches zusammen. Das Spektrum des Darstellens reichte vom Schwarzlichttheater über das rhythmische Sprechen in Gruppen bis zum Gesangs-Solo. Klassische Musik diente einerseits zur stimmungsvollen ruhigen Untermalung des Erwachens der Gegenstände, brachte andererseits Power in die Party und war überhaupt sehr passend ausgewählt. Die Spielfreude, aber auch die fröhliche Zusammenarbeit der Gruppe ging sofort auf das Publikum über, die Anwesenden waren vom Stück so gefesselt, dass keine Unruhe aufkam und es wurde mit geklatscht und viel geschmunzelt oder gelacht. Und auch das Gestalten kam nicht zu kurz. Die Requisiten und Kostüme waren selbst gefertigt und den im Foyer präsentierten Bühnenbildern im Miniaturformat sah man an die Liebe zum Detail an und bewunderte die handwerkliche Sorgfalt und das Geschick, mit dem die Mädchen ihre eigene Bühnenbox gebastelt haben. Ja, auch wenn der Toni, der Klebestift ziemlich männlich aussehen, stimmt es: In diesem Kurs sind keine Jungen, sie haben wohl andere Fächer gewählt. Sie konnten an diesem Abend dafür kräftig applaudieren und das war der verdiente Lohn für den ganzen Kurs! 

Die beiden Hausmeister mit dem großen Schulschlüssel und karierten Hemden, die bei ihrer nächtlichen Kontrollrunde am Ende das Gruseln in der eigenen Schule beschleicht, weil sie spüren, dass hier nachts etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, stört das nicht: Sie stehen auf der Bühne genau so „ihren Mann“ wie die ganze fitte Truppe. Und ihre Lehrerinnen, von denen zwei nun – leider – in den Ruhestand getreten sind.