Aux Champs-Élysées in Mülfort

„Bonjour“ hieß es im Forum der Gesamtschule an einem Vormittag in dieser Woche,...

in der Deutschland sich mit einem Tag der deutsch-französischen Freundschaft an den 55. Jahrestag des Elysee-Vertrages erinnerte.

Der allerdings interessierte das junge Publikum, die vier fünften Klassen der Schule aber eigentlich gar nicht, denn sie wollten eine französische Präsentation ansehen, einen Eindruck von Frankreich und der französischen Sprache gewinnen und vor allem: viel Spaß dabei haben, auch wenn sie nicht alles verstehen konnten. Was aber schon gut funktionierte, war das Heraushören der Begrüßung in der Sprache des Tages aus insgesamt acht Sprachen. Die aufmerksamen Kinder erkannten alle, selbst Chinesisch und Russisch, aber vor allem natürlich: Französisch!
Und wie begrüßen sich die Franzosen? Das zeigten kleine Szenen der Siebtklässler. Küsschen links, Küsschen rechts und nochmal und hört das denn gar nicht mehr auf? Sie verabreden sich, sie machen Vorschläge, was man unternehmen kann und sie verabschieden sich, c‘est cool sagen sie sogar, das klingt schon fast wie bei uns.   

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Der Fachbereich Französisch nahm das Jubiläum zum Anlass für eine besondere Vorführung. Schülerinnen und Schülern aus den Klassen 7,8, 10 und 13 zeigten auf unterhaltsame, lustige und auch ernste Weise, was sie in den Jahren des Lernens von Grammatik, Vokabeln und vor allem Landeskunde gelernt und vor allem auch als bleibende Dokumente produziert haben: Einen Film über die Mülforter Gesamtschule, der ganz sicher beim nächsten Besuch der französischen Partnerschule gezeigt werden wird; ein Video über das Backen von Crêpes in der elterlichen Küche und den vorherigen Einkauf im Supermarkt in Rheydt; eine Website über die Karibik-Insel Guadeloupe, auf der ebenso Französisch gesprochen wird wie in Paris. Hierhin führte sie ein Besuch 2017, dessen Sehenswürdigkeiten nun von einer Zehntklässlerin in Bildern präsentiert wurde. Nicht der Tour Eiffel, sondern La Defense, das neuere Stadtviertel mit seiner modernen Architektur gehörte zu ihren Lieblingsorten, ließ sie die Zuhörer wissen. Ergebnisse aus dem Unterricht, interkulturelles Lernen, wie es der Lehrplan vorschreibt, aber viel unterhaltsamer und natürlich alles ausschließlich auf Französisch! Der einzige, der in dieser Show Deutsch sprach, war Französischlehrer oder auch Le Prof Heiko Deckert, der zwischendurch einige Überleitungen moderierte, so dass das junge Publikum gut folgen konnte.

Die Kinder waren eingeladen zu einer Modenschau (très bizarre!) mit originellen Kollektionen für den Sommer und den Winter und lernten so die Kleidungsstücke, Farben und Zahlen kennen. Sie gewannen einen guten Eindruck von dem, was das Nachbarland, die Sprache und das Unterrichtsfach zu bieten haben. Denn bald, ab dem sechsten Schuljahr müssen sie sich für ein Wahlfach entscheiden, das dann Hauptfach wird und das kann eventuell Französisch sein.
In Deutschland lernen ca. 24 % der Jugendlichen in beiden Sekundarstufen Französisch, das zeigen jüngste Veröffentlichungen. So gut sieht es für Deutsch bei unseren Nachbarn nicht aus: nur knapp 15 % der jüngeren französischen Schülerschaft erlernen unsere Sprache und ca. 21 % der höheren Klassen vor dem Abitur. Offenbar werden beide Sprachen als schwierig empfunden, die bundesweiten Teilnehmerzahlen bei deutsch-französischen Begegnungen haben seit dem Vertragsabschluss in den sechziger Jahren um ein Drittel abgenommen und daher gilt es, die Attraktivität, den Nutzen und die gute Verwendbarkeit des Französischen aufzuzeigen. Denn anders als früher geht es heute nicht mehr um die Aussöhnung mit dem alten Kriegsgegner. Heute geht es vorrangig um ein friedliches Europa, aber auch ganz konkret um die Horizonterweiterung für den Einzelnen und damit auch um neue Möglichkeiten für die junge Generation in einer globaler werdenden (beruflichen) Welt.   

Zur Erprobung der erworbenen Sprach- und Kulturkenntnisse bietet sich den Gesamtschülern in Rheydt-Mülfort der Schüleraustausch mit der Partnerschule in der Nähe von Lyon an und wenn es länger sein soll auch ein 3- oder sogar 6-monatiger Aufenthalt, z.B. im Programm Voltaire in einer französischen Familie mit Schulbesuch. Wie das ist, wie man eine Familie findet und was man mit ihr und in der Schule erleben kann, davon berichtete eine Schülerin aus der 10. Klasse und kam zu dem überzeugenden Schluss, dass es sich, trotz gelegentlichen Heimwehs „100%ig gelohnt hat“ und sie die Gastgeberfamilie richtig lieb gewonnen hat.    

Ein Schüler-Video über ein fiktives Interview mit dem perfekt zurecht geschminkten Schülerdouble des Stars Stromae rundete die Präsentationen musikalisch ab und sorgte für einen letzten großen Applaus, bevor die Zuschauer nun die Qual der Wahl zwischen vier Fächern haben. Französisch jedenfalls hat mit diesem Vormittagsprogramm seine Chance genutzt, auf der Favoritenskala aufzusteigen: Merci, c‘est cool!